Wenn man von Pflanzen der Wikingerzeit spricht, denkt man schnell an Beifuß, Wacholder oder Baldrian. Doch eine andere Wurzel, unscheinbar und unterirdisch, barg eine ganz eigene Kraft: der Meerrettich. Mit seiner scharfen, brennenden Schärfe, seinem erdigen Duft und seiner reinigenden Wirkung war er Heilmittel, Würzmittel und Schutzpflanze zugleich.
Die Wikinger, die sich mit der Heilkraft der Natur tief verbunden fühlten, nutzten den Meerrettich als scharfen Verbündeten gegen Krankheit, Trägheit und böse Einflüsse. In einer Welt, in der der Körper im Kampf stand und der Geist wachsam sein musste, war der Meerrettich eine Pflanze, die aufrüttelte, schützte und heilte – so wie ein Schwert aus der Erde.
Der Meerrettich, botanisch als Armoracia rusticana bekannt, war in Skandinavien bereits in der Eisenzeit bekannt. Die Wikinger schätzten die Wurzel für ihre stärkende und heilende Wirkung, aber auch für ihren Einsatz in Speisen – vor allem in Zeiten, in denen frisches Gemüse rar war.
In den Sagas wird er nicht direkt erwähnt, doch archäobotanische Untersuchungen an Fundplätzen in Dänemark und Südschweden deuten darauf hin, dass Wurzeln mit scharfen ätherischen Ölen – wie der Meerrettich – bekannt und geschätzt wurden. Wahrscheinlich wurde er an Küsten, in sumpfigen Wiesen oder auf Hofgärten kultiviert und war Teil des botanischen Wissens der Völva, der weisen Frauen und Heiler.
Meerrettich galt als wärmende Pflanze, die den Kreislauf anregt, den Schleim vertreibt und sogar als Aphrodisiakum diente. Seine Feuerkraft machte ihn auch zu einer schützenden Pflanze: Wer ihn in kleinen Mengen trug, sollte gegen Kälte, Krankheit und böse Geister gefeit sein.
Die Wurzel des Meerrettichs enthält Senfölglykoside, die beim Zerreiben oder Kauen einen scharfen Geschmack freisetzen – und genau darin liegt ihre medizinische Kraft.
In der Wikingerzeit wurde Meerrettich vor allem bei Atemwegserkrankungen, Husten, verstopfter Nase und Brustleiden verwendet. Man stellte Wurzelbreie oder -auszüge her, die man auf Brust oder Stirn legte, um Schleim zu lösen und die Durchblutung anzuregen. Besonders bei Erkältungskrankheiten war er ein beliebtes Mittel, da er den Körper wärmte und die Sinne schärfte.
Die Heiler der Wikingerzeit rieben frischen Meerrettich mit Essig oder Honig und verabreichten ihn als kräftigenden Trank – auch zur Anregung der Verdauung und gegen Parasiten. Die starke Schärfe galt als „innere Flamme“, die den Körper reinigt und stärkt.
Auch bei Gelenkschmerzen und Muskelerkrankungen wurde er äußerlich aufgetragen – in Form von Umschlägen oder Salben. Die durchblutungsfördernde Wirkung versprach Linderung in kalten Wintern oder nach anstrengender Feldarbeit.
Neben der Heilkraft hatte der Meerrettich eine magische Komponente. Durch seine scharfe Energie wurde ihm nachgesagt, dämonische Einflüsse, Krankheiten oder böse Träume zu vertreiben.
In kleinen Bündeln wurde die getrocknete Wurzel über Stalltüren oder im Eingangsbereich von Langhäusern aufgehängt – als Schutz gegen Seuchen oder „Übelwinde“, wie man böse Geister nannte.
In bestimmten Reinigungsritualen wurde Meerrettich zusammen mit Rauchkräutern verbrannt, um Räume zu klären. Seine brennende Schärfe wurde dabei mit dem Feuer von Muspellheim verglichen – einer Energie, die das Alte verbrennt, um Platz für Neues zu schaffen.
Auch in Übergangsritualen, etwa bei Fruchtbarkeitszeremonien oder Schwellenfesten im Jahreskreis, konnte Meerrettich eine Rolle spielen. Sein markanter Duft und seine belebende Wirkung galten als Symbol für Wachheit, Erdung und Kraft aus dem Inneren.
In der Anwendung waren die Wikinger äußerst praktisch. Die frisch ausgegrabene Wurzel wurde gerieben, gehackt, zerstoßen oder gekocht. Sie wurde auf Wunden gelegt, in Tinkturen verarbeitet oder mit anderen Kräutern gemischt.
Im kulinarischen Bereich wurde Meerrettich als Würze für Fischgerichte oder Fleisch verwendet – besonders bei gesalzenem oder getrocknetem Fleisch half er, den Geschmack zu verbessern und die Verdauung zu erleichtern.
Heiler mischten ihn mit Honig, Essig oder Bärenfett, um Salben oder Heiltränke herzustellen. In besonders kalten Regionen galt ein Schluck Meerrettichtrunk als Schutz gegen Kälteschock oder Mattheit – ein natürlicher Weckruf für Körper und Geist.
Auch heute noch ist der Meerrettich als pflanzliches Heilmittel hochgeschätzt. In der Naturheilkunde wird er bei Nebenhöhlenentzündungen, Bronchitis, Harnwegsinfekten und rheumatischen Beschwerden eingesetzt.
Seine antibakterielle Wirkung, die hohe Konzentration an Vitamin C und die durchblutungsfördernde Schärfe machen ihn zu einem wertvollen Bestandteil pflanzlicher Hausmittel – ganz im Sinne der alten Wikingerheilkunst.
Auch in der modernen Ernährung feiert der Meerrettich sein Comeback – sei es als Gewürzpaste, Frischzutat oder fermentiertes Tonic. In der alternativen Spiritualität gilt er weiterhin als Pflanze der Reinigung und Wehrhaftigkeit – ein Symbol für innere Flamme und Klarheit.
Zwar wird Meerrettich nicht direkt in der nordischen Mythologie erwähnt, doch seine Eigenschaften spiegeln archetypische Kräfte wider. Er könnte symbolisch mit Thor in Verbindung gebracht werden – dem Gott des Donners, der das Böse mit roher Kraft vertreibt. Die scharfe, reinigende Wirkung des Meerrettichs ist wie ein Donnerschlag gegen Krankheit und Lüge.
Auch eine Verbindung zu Loki ist denkbar – dem Gott der List und des Wandels. Wie Loki kann der Meerrettich Unruhe stiften, aber auch neue Impulse geben. Sein Feuer ist zweischneidig – heilend und prüfend zugleich.
Der Meerrettich war in der Wikingerzeit weit mehr als nur eine Küchenzutat. Als heilkräftige, reinigende und energetische Wurzel spielte er eine bedeutende Rolle im Leben der Menschen – sowohl im Alltag als auch im rituellen und spirituellen Denken.
Seine Schärfe war nicht nur physisch spürbar, sondern auch symbolisch eine Waffe gegen Schwäche, Krankheit und Dunkelheit. Bis heute erinnert uns der Meerrettich daran, dass wahre Kraft oft unter der Erde verborgen liegt – in stillen, unauffälligen Wurzeln, die, einmal erweckt, eine Feuerkraft entfachen, die Klarheit und Leben schenkt.
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